Ich hörte durch die Baumkronen deine Stimme Lieder singen
über die Menschen, die dich einst berührten
über das Leben, das so vielschichtig ist wie wir selbst.
Über dunkle Zeiten,
in denen das Licht mit der Zeit wieder stärker wird.
Über Ängste und Abschiede,
die dein Herz
immer und immer wieder brachen.
Über die Zuversicht und die Liebe,
die in uns allen ein Zuhause gefunden haben.
Über die Wärme, die wir über die Welt legen möchten
wie eine Decke,
um all die Kälte, den Hass und das Morden zu vertreiben.
Über Kämpfe, die wir nicht gewinnen können,
über Kämpfe, die uns stärker machen
und die wir gemeinsam durchstehen.
Über das Leben,
das jeden Tag ein Geschenk ist,
auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt.
Doch ist es einmal erloschen,
merken wir erst,
wie wertvoll es ist.
Schlagwort-Archive: Erinnerung
Sprich aus, was brennt.
Dein Blick, so gestochen scharf, auf’s Kleinste fixiert. Nimmt wahr, erinnert dich an dein gestriges Heute. Du riechst noch die Erinnerungen, als wären sie Eins mit dir. Ein Teil deiner Haut, als würdest du alles nochmal erleben, spüren.
Du erinnerst dich daran, wie sie im leichten Schein an der Kante des Sofas saß und ihre Haare sanft auf ihr Gesicht fielen, während sie in ihrem Lieblingsbuch In meinen Träumen läutet es Sturm schmökerte. Ihr Gesicht, so makellos, diese sanften, weltoffenen Augen, die dich so oft an Nichts denken ließen, da du einfach nur im Moment des Glücks versunken warst, um ihre Anwesenheit zu genießen. Mehr brauchtest du nicht. Du warst angekommen.
Doch gestern ist schon lange vorbei. Als du in das Zimmer tratst, hob sie den Kopf und umfasste dein Wesen mit einem ernsten Blick, der nichts Gutes zu verheißen hatte. Du wusstest schon lange, tief in deinem Innern, dass dieser Moment bald kommen würde, du spürtest die Distanz, die von Tag zu Tag größer wurde, drückender, bis ihr in zwei ganz anderen Welten Zuhause wart.
Während du sie betrachtetest, prasselten Gedanken auf dich ein, Dinge, die du sagen könntest Mein Zuhause ist kein Ort, das bist du – doch du bleibst stumm, da du weißt, dass sie ihre Entscheidung schon vor einiger Zeit getroffen hat. Doch heute, ja, da wünschtest du, du hättest ausgesprochen, was dir auf der Seele brannte und noch immer brennt, um nicht zu sagen, du bist noch immer Feuer und Flamme.
Ich bin riesig, aber du viel größer als ich.
Alles jetzt, alles wichtig,
aber wichtiger als du ist mir nichts.
Singst du in Gedanken und bist weit entfernt vom Heute. Im Damals verweilend, als ihr zu diesem Song eng umschlungen vor der Bühne standet und deine Welt noch in Ordnung war.
© Nelli H.
Verblasste Erinnerung.
Deine Worte vermischten sich mit den meinen.
Und ergaben aneinander vorbeifließende Konversationen.
Konversationen, die Vorstellungen hervorbrachten –
ein wunderschönes Gemälde.
Aus bunten Farben und wärmenden Tönen.
Die mich einlullten.
Doch dann merkte ich,
dass dieses Gemälde
eine hässliche Fratze verbarg,
die langsam sichtbarer wurde.
Ein schwarz-weiß Bild
von melancholischer Schönheit,
das mich erzittern ließ.
Von nun an bist du nur noch eine leere Erinnerung,
die mich daran erinnert,
wie es nicht sein soll.
© Nelli H.
.
Nicht wissend, ob sich unsere Blicke jemals wieder begegnen werden, kehre ich dir den Rücken zu, doch mein Herz wende ich nicht ab.
Öffne es weit.
Nicht wissend, ob ich jemals wieder deinen Atem auf meiner Haut spüren werde, wende ich meinen Blick nicht mehr ab, zwinge mich, dich anzusehen, trotz des unendlichen Schmerzes, der mich schwerer atmen lässt. Fast vergesse ich zu atmen. Dein Blick ruht auf meinem. Ruhig. Intensiv.
Dein Atem wird schwächer. Traue mich nicht, genauer hinzuhören. Dein Brustkorb hebt und senkt sich, die Abstände werden länger, unregelmäßiger.
Deine Hand auf meiner, durchströmt mich mit Wärme. So, wie du es immer getan hast – lebendige Wärme.
Die Welt steht still, keinen Laut nehme ich wahr. Keinen einzigen. Einzig und allein, der Puls drückt sich durch deine Fingerspitzen in meine. Die Zeit steht still. Kein Windhauch berührt mein nun kälter gewordenes Herz. Mein Atem stockt.
Sanft drücke ich meine Lippen auf deine, möchte dir sagen, wie sehr ich dich liebe, wie sehr du mein Leben bereichert hast. Doch ich bin mir sicher, dass du weißt, was ich dir damit sagen möchte und lasse das Leben in größter Stille dem Tod begegnen.
Deine Mundwinkel ziehen sich ein klein wenig nach oben, bevor du mich zurücklässt. Du hast deinen Frieden gefunden und ich werde meinen durch dich finden.
© N. H.
