Archiv des Autors: nelliiii
Große Veränderungen in unserem Leben können eine zweite Chance sein. – Harrison Ford
Sanfter, kalter Wind umweht dein schönes, markantes Gesicht, das geziert ist mit einem Lächeln. So schön, dass ich weinen möchte. Schon lange habe ich es nicht mehr an dir gesehen. Diese Bewegung deiner Mundwinkel musstest du aufs Neue lernen. Hattest es vor langer Zeit schier vergessen.
Doch heute ist alles anders. Die Welt ist fröhlicher geworden, weil du es auch bist. Lange Zeit hast du dich in den Regen gestellt und nicht mehr vom Fleck bewegt, standest still und ließest deinen Körper das kühle Nass einsaugen. Doch dein Durst nach Seelenfrieden, nach Stille, nach innerer Gelassenheit konnte nicht gestillt werden. Jedes Mal aufs Neue gingst du nach draußen und standest dort, hast gewartet, auf den einzigen Menschen, der deinen Schmerz etwas weniger werden lassen konnte. Dich dort so zu sehen, ließ mich jedes Mal innerlich zerbrechen. Doch auch ich konnte nicht mehr tun, als zu warten, dass du wieder gehen würdest. Dass du wieder hereinkommen würdest, um dich am Kaminfeuer zu wärmen.
Den dampfenden Kakao, den ich meist vor dich stellte, rührtest du nicht an. Wir beide folgten den Bewegungen des Dampfes, der sich tänzelnd nach oben bewegte, nach rechts und links bis er verschwunden war.
Kein Wort löste die Stille ab, denn es gab nichts mehr zu sagen. Kein Wort hätte etwas ändern können, denn sie waren es, die einst alles zerstörten.
Die unsere heile Welt versinken ließen, in den lodernden Flammen des Hasses, der alles verschlang.
Dich. Mich. Uns alle.
Die Verbrennungen der Seele saßen tief. Doch jeder Schritt, der uns weiter von dort entfernte, ließ die Wunden etwas heller werden.
Fast vergaßen wir, dass es ein Leben vor dem Weggang gegeben hat. Fast. Oder wir dachten zumindest, dass wir es taten, dass wir es könnten. Doch manchmal haben die schützenden Mauern ein paar Risse, lassen etwas Dunkel heraus.
Doch niederreißen kann es uns nur noch manchmal, selten, so selten, dass man es gerade so verkraften kann, gerade so standhalten kann.
Irgendwann ließest du los, hörtest auf zu warten. Hörtest auf zu warten, auf die eine Person, von der du dachtest, sie könne dir helfen, den Schmerz von dir nehmen, ihn erleichtern.
Nachdem du begriffen hattest, dass sie nicht kommen würde, hast du aufgehört. Aufgehört zu warten. Von einem Tag auf den anderen.
Du hast eingesehen, dass du selbst diese Person bist. Die, die alles ändern kann.
– © Nelli H.
„Ich weiß, irgendwann sind es nur noch Geschichten und unsere Bilder sind dann alte Fotos und wir werden alle die Mom oder der Dad von jemandem sein. Aber jetzt gerade sind diese Momente keine Geschichten, das hier passiert gerade. Ich bin hier und ich sehe sie an und sie ist so wunderschön.
Ich kann es jetzt sehen, in diesem einen Moment, wenn du erkennst, dass du keine traurige Geschichte bist. Da lebst du. Du stehst auf und siehst die Lichter der Hochhäuser und alles, was dich staunen lässt und du hörst diesen Song. Bist unterwegs mit den Menschen, die du mehr liebst als alles auf der Welt und in diesem Augenblick, ich schwöre es, sind wir unendlich.“
– Stephen Chbosky
Stephen Chbosky: Vielleicht lieber morgen
Wasserspielerei.
„Nicht, wenn die Wahrheit schmutzig ist, sondern wenn sie seicht ist, steigt der Erkennende ungern in ihr Wasser.“
[Friedrich Nietzsche]
Stille Begegnung.
Dein Blick sucht mich noch immer, sucht mich noch immer heim.
Renne über leere, staubige Flure, um Häuserecken, renne mir die Seele aus dem Leib, um dir zu entkommen.
Doch du siehst mich, siehst mich ganz klar, egal wie weit entfernt ich von dir stehe.
Du siehst nicht durch mich hindurch, blickst nicht oberflächlich auf meine Innerstes. Du betrachtest es von jedem Blickwinkel aus. So genau, dass es mir anstatt zu gefallen, unheimlich ist, mich sogar in meinen Träumen verfolgt.
Kaum bin ich dir entkommen, tut sich der Boden auf, verschluckt mich, kotzt mich aus und stellt mich vor dir wieder auf. Langsam setze ich mich wieder zusammen, Schritt für Schritt, Pore für Pore. Meine Gedanken liegen frei vor dir, wie eine aufgeklappte Zeitung, die du nur zu lesen brauchst, egal wie viele Seiten fehlen, setzt du den Text Zeile für Zeile zusammen, sodass ich ganz unbedeckt vor dir stehe. In jedem Moment unserer stillen Begegnung.
© Nelli H.
Dunkelheit.
Die Dunkelheit der Nacht legt ihre Fäden um die Welt.
Verschluckt in Träumen,
von Vergessenem,
von Bevorstehendem,
von Glück und Liebe,
von Grausamkeiten,
hört man die Welt ungleichmäßig atmen,
hört den Schnee ganz leise fallen.
© Nelli H.
Foals – Moon
Hier ist ein Song von dem neuem Album „Holy Fire“ von Foals.
Viel Spaß beim Hören!
Euch allen einen wunderschönen, verschneiten Dienstag!
„It is perfect.
It is beautiful and still.
And it is silent.
It is white and it is good.“
Other Lives.
Ein bisschen Musik zur Entspannung!
Ihr habt hoffentlich alle ein wunderbares Wochenende!
Beste Grüße,
Nelli.
Kälte.
Wenn ich in deine Augen blicke, dann sehe ich… dann sehe ich nichts als Dunkelheit.
Voller Schwere senken sich deine Augenlider bei jedem Atemzug. Schneeflocken haben sich darin verfangen, tauen, fallen, landen. Sie landen sanft auf deinen Wangen, fließen seicht herunter, wie ein kummervoller Korn, eine Träne.
Und doch bin ich nicht sicher, ob sie nicht doch deine Tränendrüsen verlassen haben. Denn du schweigst, du schweigst so still. Würdigst mich keines Blickes.
Die Kälte lässt mich erschauern, deine und die des Windes.
In diesem Moment wird mir bewusst, dass unser Winter niemals enden wird. Weder jetzt noch in naher Zukunft. Er wird andauern bis wir erfroren sind. Erstickt von unseren Gedanken. Die sich schwerer niederlassen als alles andere.
Denn niemand getraut sich auszusprechen, wie kalt es um uns herum geworden ist.
© Nelli H.
| Das Spukhotel |
Alles begann damit, dass eine Schulklasse in eine weit entfernte Stadt fuhr, um ihren Abschluss zu feiern. Jeder freute sich darauf, denn auch enge Freunde und die Familie konnten mitgenommen werden. So kam es, dass ich meinen Bruder und meine Mutter mitnahm. Doch schon bald sollte die ausgelassene Menschenmenge erfahren, dass es keinerlei Grund zur Freude gab, denn dies sollte eine Klassenfahrt werden, wie sie noch niemals jemand erlebt hatte.
Die Ankunft verlief problemlos, schnell hatten sich die Gruppen gefunden, die gemeinsam ein Zimmer beziehen wollten. Das Hotel war ein riesiges Gebäude mit unendlich vielen Treppen, noch mehr Zimmern und einer Menge Personal.
Die Atmosphäre war sehr angenehm, eine harmonische Helle umgab uns. Alles war einladend eingerichtet, alles in allem ein Hotel, in dem man sich sehr wohlfühlte.
Ich teilte mir ein Zimmer mit Kate, wir richteten uns ein und genossen den herrlichen Ausblick auf einen wundervoll glitzernden See, auf dem Enten ihre Kreise zogen.
Am ersten Tag stand eine Erkundungstour der Stadt auf dem Plan, wir hatten jede Menge Spaß, trafen viele aufgeschlossene Menschen, besuchten ein Museum expressionistischer Kunst und erforschten in kleineren Gruppen die Essgewohnheiten der Stadt.
Am späten Abend trafen wir wieder im Hotel ein, viele begaben sich schon zu Bett, da sie noch erschöpft von der Anreise waren, manche setzten sich noch an die Bar, um über Gott und die Welt zu diskutieren.
Der zweite Tag, ein wundervoller Herbsttag, lud dazu ein in den nahegelegenen Park zu gehen. Alle waren schon unten vor dem Eingang des Hotels, da wir uns dort versammeln wollten. Als ich unten an der Rezeption ankam, fiel mir jedoch ein, dass ich mein Portemonnaie im Zimmer hatte liegen lassen, sodass ich noch mal nach oben lief. Oben angekommen, sah man auf den ersten Blick, dass sich einiges verändert hatte. Die Zimmer waren plötzlich anders angeordnet, die Helligkeit in den Gängen war verschwunden. In der Luft lag etwas Drückendes. Eingestehen wollte ich mir dies jedoch nicht und begab mich weiterhin auf die Suche unseres Zimmers. Auf halbem Wege kam mir Kate entgegen, die ebenfalls unser Zimmer suchte. Wir konnten uns einfach nicht erklären, wie es möglich sein konnte, dass es verschwunden war. Wir fragten aus lauter Verzweiflung das Personal. Ein dunkelhaariger, mürrisch aussehender Mann mittleren Alters führte uns zu einem Zimmer, welches jedoch nicht unseres sein konnte. Denn daneben prangte in schwarzer Schrift die Zahl „13“ und darunter stand der Name „Lord Stevens“.
Schon die ganze Zeit fragte ich mich, was es mit diesen Namen auf sich hatte, denn nicht einmal die Bediensteten hatten eine Antwort darauf. Nachdem Kate und ich eine Zeitlang baff vor diesem Zimmer verharrten, kam uns ein älterer Herr, extrem vornehm gekleidet und ein Junge, vielleicht sein Enkel, entgegen. Nachdem sie uns begrüßt hatten, waren sie spurlos verschwunden, auch in den anderen Gängen konnten wir sie nicht mehr erblicken.
Merkwürdigerweise waren unsere Mitschüler und deren Bekannte wieder zurück, wir erfuhren, dass sie gerade wieder vom Ausflug in den Park zurückkamen. Dies bedeutet, dass wir schon seit Stunden hier umherirrten.
Wir erklärten unseren Freunden, dass unser Zimmer seltsamerweise verschwunden war, doch sie erklärten uns für verrückt und zeigten uns den Vogel.
Ich stand gerade auf einem Stuhl, um den gesamten Gang überblicken zu können, da ich meinen Bruder suchte, denn ich wusste, dass er mir Glauben schenken würde.
Plötzlich merkte ich, dass unter mir kein Boden mehr war, der Stuhl schwebte. Meine Höhenangst schnürte mir die Kehle zu. Um mich herum Stille. Panik packte mich. Plötzlich Gerenne, Schreie. Die Kluft unter mir wurde immer größer. Der Stuhl fing an zu schwenken. Mir wurde schlecht. Ich musste hier weg. Irgendwie. Ich sprang. Klammerte mich an etwas. Es war der Rand des Bodens. Meine Hände waren rutschig, Angstschweiß hatte sich auf ihnen ausgebreitet. Konnte nicht denken, hatte schon abgeschlossen. Da kam etwas aus der Dunkelheit, eine Hand und ergriff die meine. Zog mich hoch. Ich saß auf dem hartem, kalten Boden. Spürte die blanke Panik. Mich umsehend, konnte ich meinen Retter nicht erblicken. Ich atmete ein und aus. Meine Fassung hatte mich wieder. Der Boden verschwand immer mehr. Ich rannte los, warnte alle, die noch weiter hinten im Gang waren. Sie begriffen schnell, glaubten mir, denn plötzlich war es noch finsterer, stiller. So still, dass man Gänsehaut bekam. Auf der Treppe stolperte ich, irgendetwas fiel mir auf den Kopf, mir wurde schwarz vor Augen.
Irgendwann wachte ich auf, mein Kopf tat weh und brannte. Um mich herum war nichts mehr, das Hotel war weg, einfach weg. Schlagartig war ich auf den Beinen. Schaute mich um, keine Menschenseele war hier. Der Platz war düster, kalt und unheimlich. Schatten umgaben mich.
„Da bist du ja endlich!“, flüsterte eine kratzige, bedrohliche Stimme …
© Nelli Halter.
PS: Dies ist eine weitere Geschichte, die auf einem (Alb-)Traum basiert.






