Poesie

Menschen, die bleiben.

Kaum jemand nimmt sie sich noch
und doch
scheint sie davonzurennen.

Knistert es nicht sofort,
wird weitergeswiped.

Die nächste Person wartet schon.
Bereit für ein kurzes Einlassen
– an der Oberfläche.

Denn sie rennt,
ist immer zu knapp.
Die Zeit.

Aber Tiefe,
Vertrauen,
Echtheit,
sie entstehen nicht in Sekunden.
Sie leben
von Minuten.
Von Stunden.

Von Blicken,
die nicht weggleiten,
von Händen,
die nicht loslassen,
von Worten,
die nicht nur gesagt,
sondern auch so gemeint sind.

Eine Sammlung an Chats
und Matches
gibt dir nichts,
wenn sie nur Gesichter bleiben,
die nicht greifbar sind.

Echte Verbindung
Tiefe,
Menschen, die bleiben,
das ist es,
was am Ende zählt.

Also lasst uns tief tauchen,
in Geschichten,
Gedanken,
Emotionen.

Lasst uns eintauchen
in andere Leben
und ihnen mehr schenken
als nur die Hülle
unserer Selbst.
Mehr schenken
an Zeit.

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Poesie

Work of Art.

Während wir im Gras liegen
und dem Zirpen um uns herum lauschen,

treffen sich unsere Blicke,
die mehr sagen, als Worte es jemals könnten.

Dein Lachen, so schön,
dass es mir den Atem raubt.

Deine Stimmte sanft und rau zugleich
– jedes deiner Worte fließt durch mich wie eine Symphonie.

Was uns bewegt und wovon wir träumen
durchbricht die Stille.

Wir philosophieren darüber,
dass jeder Mensch ein einzigartiges Kunstwerk ist

und sehen dabei zu, wie unsere Farben ineinanderfließen.


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Poesie

Lebengeflecht.

Du weißt gar nicht, wie sehr ich dich liebe“, sagtest du, dein sonnengeflutetes Gesicht zu mir drehend. Dieser Satz hallte noch lange in mir nach, setzte Energien frei, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass sie vorhanden sind. Und wieso das so war? Endlich wieder glaubte ich an das Leben, an die Welt und die Menschen, aber vor allem an mich selbst, denn ich fühlte mich wieder selbst, alles, was ich bin, was mich ausmacht. Seit ich wusste, dass dieser Satz ausreicht – sofern er wahrhaftig so gemeint ist – drehe ich  jeden Abend, kurz vor dem Schlafen gehen, mein Gesicht zu mir selbst, schaue mir selbst in diese wunderschönen Augen, die voller Lebensfunken sind, und sage mir, dass ich mich liebe. Lange Zeit sagte ich diesen Satz, ohne das Wissen, wieso diese Liebe zu mir eigentlich existiert. Wofür liebe ich mich eigentlich? Um es kurz zu fassen, liebe ich das Wesen, das ich bin, diese Seele, voller Ecken und Kanten, Frohsinn und Trübsinn, Albernheit und Ernsthaftigkeit, diese Aura, die mich umgibt. Diese Aura, die jedem Menschen vermitteln soll: ich nehme dich, wie du bist, egal mit welchen Monstern du gerade haderst, welche Mauern du überqueren und welchen Abgründen du dich gegenübersiehst.

Die Liebe, die du in dir trägst, wird niemals weniger, auch nicht, wenn du einen Batzen davon an andere Menschen weitergibst, ihnen eine Stütze, ein Freund bist. Im Gegenteil, sie wird sich vermehren, ins Unendliche, denn so wirst du Teil in anderen Leben und andere Leben ein Teil von dir. Alles ist miteinander verbunden, miteinander verwoben, ein wunderschön schimmerndes Geflecht aus Begegnungen, Erfahrungen, Momenten und Worten.

© Nelli H.

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